Im Wandel der Zeiten

Joseph Freiherr von Mellin lebte von 1765 bis 1837 in Werl und gehörte zu den Erbsälzern. Da seine Ehe kinderlos blieb, bestimmte er in seinem Testament vom 25.01.1833, dass sein Vermögen der Schaffung einer sozialen Stiftung dienen solle. Im Testament heißt es unter anderem:

„Ich will, dass auf meinem Gute Uffeln bei Werl eine Verpflegungsanstalt für arme Knaben, Waisen oder solche, deren Eltern sie nicht zu ernähren vermögen, errichtet wird. (...) Die Knaben sollen gut, doch ohne Üppigkeit, gehalten werden, und es soll mehr hierauf und auf eine zweckmäßige hinreichende Bildung der Zöglinge, als auf eine zu große Anzahl derselben gesehen werden.“

Dieses Testament bildete die Grundlage zur Gründung der von Mellin`schen Stiftung. Die Verwaltung der Stiftung wurde in die Hände eines adeligen Kuratoriums gelegt, unter Aufsicht des preußischen Königs. 
Nach dem Tod seiner Frau Sophia im Jahre 1860 - sie ermöglichte zusätzlich mit ihrem Vermögen den Bau der Josefs-Kapelle in Ostuffeln - wurden am 01.07.1871 die beiden Knabenheime eröffnet.


Die Eröffnung der beiden Heime, in Ostuffeln für katholische Kinder und in Westuffeln für evangelische Kinder, verzögerten sich, weil sich die Mitglieder des Stiftungskuratoriums zunächst umfassende Informationen über andere Einrichtungen dieser Art verschafften. Es bestanden Kontakte zu Haus Hall, zum Rauhen Haus in Hamburg und zu schweizerischen Armenschulen. Die Gebäude der beiden Waisenhäuser wurden kurz nach Abschluss des deutsch-französischen Krieges fertiggestellt. So kam es, dass nicht Kinder, sondern Verwundete die ersten Bewohner wurden. Im September 1871 zogen dann die ersten Kinder ein.


Die Leitung des Kinderheimes Ostuffeln übernahm ein geistlicher Rektor, dem zwei Brüder aus Haus Hall zur Seite standen. Das Kinderheim Westuffeln hatte einen weltlichen Rektor, der mit zwei Brüdern aus dem Rauhen Haus zusammenarbeitete.
Außerdem waren in beiden Einrichtungen auch Lehrer tätig. In den Folgejahren übernahmen im Evangelischen Knabenheim Westuffeln dann Heimeltern die Leitung, die als Diakone der von Bodelschwing`schen Anstalten in Bethel entsandt wurden. Die untergebrachten Jungen arbeiteten in der Landwirtschaft, in der Gärtnerei und im Haushalt. (siehe auch Heimerziehung 1950er und 60er Jahre)


Im Kontext der gesellschaftlichen Veränderungen der letzten über 140 Jahre entwickelte sich die Stiftung zu einem wichtigen und angesehenen Träger sozialer Einrichtungen im Kreis Soest. Aus den einstigen Waisenhäusern sind heute moderne und leistungsfähige Einrichtungen der Erziehungs- und Behindertenhilfe geworden: Die Kinder- und Jugendhilfe Westuffeln mit vielfältigen Angeboten für benachteiligte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene und die Wohnstätte St.-Josef, seit dem 01.12.1981 ein Zuhause für erwachsene Menschen mit psychischen Erkrankungen und geistigen Behinderungen.

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